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Organ flir die Gesamt- Ioteresseo der Freimaurerei. 


NN odientlich eine Nummer. 


H e r a U S 9" eij e D e II 


Expedition in Frankfurt a. M. 
gr. Gallu ssfrasse 3. 


Preis des J ahrgangs 10 M. 
Dimkt unter Streifband. 
lnland 11 M. 50 PI. 
Ausland 12 M. bO Pf. 


von der aus Brr Pieimaurern gebildeten Aktien-Gesellschaft 
,B ub -- tte "" 
, a u . 


Anzeigenpreis: 
Fur die gespaltene Zeile 
30 Pf. 


Licht, Liebe, Leben. 


Redakteur: Br Prof. "Dr. Grotthold. 


Weisheit, Starke, Schonheit. 


X2I. 


Frankfurt a. M, den 27. Mai 1893« 


36. Jahrgang. 


l lIt . V . f .. ethisdie Kultur Vbteilung Fieiburg 1. B Von Br Hugo Pampt. - Ethische 
Die Kthik 1m tagluheii Leben. Vortrag, ge u en 1m elom ur . . ' . . f . M 
hultur - ohne Fragezeichen Von Br C Ruppiedit (.Pragi. - v?m (lroMogultag. - Logen.berlchte und Vermlsch te -.: Frank urt 1. . 
Augsburg. Br Kail Maiker t- Aus veigangenen 'lagui. - Littorarlsehr Besprechungen. - Anzelgen. 


Inhalt: 


Die Ethik im tiiglichen Lehen. 
Vortrag, gehalten imVe/ein f tir ethische 
Kultur, Abteilung Freibarg 1. B. 
Von Br Hugo Pampe. 


AIs der Ruf zur Begrtindung einer Gesellschaft f tir 
ethische Kultur erging, da war es mir. aIs werde das 
deutsche V olk von einem seinen Herzschlag lahmenden 
Alp befreit, aIs werde das Frtihlingswehen, welches die 
Herzen vieler warm ftihlender Menschenfreunde erftillte, 
zu einem Sturm der Begeisterung anwachsen, der jedes 
deutschen Mannes Thatkrafr, der dass Gemtit jeder edel 
ftihlenden deutschen Frau erheben und die Nation be- 
fahigen wtirde, den machtigen EntwicklungsprozeB durch- 
zumachen, der sich um «o schneller vollziehen wird, je 
mehr er -.ich dem Wendepunkte nahert. 
Gerechtigkeit! W ahrhaftigkeit! Menschlichkeit! Diese 
Lichtpunkte des Lebens, welche sich in der machtigen 
die We II durchgltihenden, sie in ihrer Jugendfiische er- 
haltenden Liebe vereinigen, sind die Marksteine, welche 
die Wege unserer Gesellschaft bestimmen. 
Hinter allen Kulturen, welche die In machtigem 
Laufe vorwartssttirmende Weltentwicklung gezeitigt hat, 
ist diejenige des Herzens, des Gemtits zurtickgeblieben. 
Die verklarte, die ganze Schopfung mit Innigkeit 
umfassende, Liebe verktimmerte im Menschenherzen, denn 
dieses Herz hatte aufgehort, der Tempel der Wahrhaftig- 
keit zu seln. 
Wo die der Beachtung und Achtung'alles Lebewesens 
entspringende Menschlichkeitjeden Gedanken, jeden Wunsch, 
jede Handlung dem Scepter der Vernunft, d. i. der ver- 
nehmbaren Stimme des Gewissens, unterstellt, da ersprieBt 
die Gerechtigkeit - die Erkenntnis des Rechten - und 
erzeugt, vermoge der fortwiikenden ernsten Selbstzucht, 
die Wahrhaftigkeit, welche die Quelle der SeelengroBe, 
der Beharrlichkeit, der Treue, der Opferfreudigkeit, der 
Entsagimgslahigkeit, des Mutes und aller Tugenden ist. 
So ftihrt die Menschlichkeit, welche wir am Borne 
der Natur empfangen, zur hochsten V ollkommenheit des 


menschlichen Charakters: zur Wahrhaftigkeit; so ent- 
wickelt die N atur In ihrem edelsten Produkte, dem 
Menschen, den gottlichen Keim, aIs den ich das bleibende, 
unverganglich Gute im Menschengeschlechte bezeichne. 
J ede e i n s e i t i g e Entwicklung ist im Widerspruch. 
mit den Grundgesetzen der Natur, welche GleichmaB, 
Harmonie fordert. Wie der Sinn f tir Formen, das Ver- 
standnis f tir Kh}thmus, die veredelnde Wirkung der Tone 
kein Produkt der Erziehung, sondern einem innerlich 
wirkenden Geftihl entsprechend erkannt werden, so er- 
weist es sich aIs dem in der Menschennatur fortwirkenden 
gottlichen Prinzip widersprechend" wenn die Geisteskrafte 
einseitig entwickelt, und Herz und Gemtit vernachlassigt 
werden; die darin liegende gewaltsame Unterdrtickung 
der Wahrhaftigkeit kennzeichnet sich in anormaler Ge- 
staltung der gesellschaftlichen Ordnung, und diese Phase 
ist es, bei der die Gesellschaft f tir ethische Kultur ihre 
Arbeit aufgenommen hat, aus der sie aIs ein Zeitbedtirf- 
nIS hervorgegangen ist. 
Wahrhaftigkeit! Die freie Bekennung dessen, was 
wir aIs wahrhaft bestehend eikannten, ohne Frage dar- 
nach, welche Wirkung ein solches Bekenntnis hat, ohne 
Furcht vor Nachteil, ohne Beiechnung des Vorteils: das 
ist Wahrhaftigkeit. - 
Dr. Schenkel pries am 3 1. Mai 186 !), dem Tage 
von W orms, d e n Btirgerstand, »der auf strenges Recht, 
ehrbare Sitte, hauslichen Sinn und staatliche Selbstandig- 
keit halt; der vor dem Junker nicht kriecht, vor dem 
Priester sich nicht btickt; die Frommigkeit liebt, die 
Frommelei haBt.« Diese B tirgertugenden vereinigen sich 
in dem Grundpfeiler alles Menschentums, aller Menschen- 
wtirde: in der Wahrhaftigkeit. 
Der Begriff der Wahrhaftigkeit schlieBt die Aufnahme 
fremder Ansichten und Anschauungen aus; nur die durch 
eigene geistige Arbeit selbst enungene Wahrheit kann 
sich zur Uberzeugung, zu unserem »Selbst« hindurehringea. 
Das Produkt fr e m d e n Forschens - und ware es die 
uiramstoBlichste W ahrhei t - dtirfen wir nie aIs eigene 
Uberzeugung aufnehmen, ohne uns gegen das geheiligte 
Gesetz der Wahrhaftigkeit zu vergehen.
		

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			sIe Freimaurer sind, weniger warm, weniger verstandnis- 
voll f tir das Leben ftihlen, das sie umf1ieBt? 
Konnten Sie den Pulsschlag jenes Korpers ftihlen, 
Sie wtirden diese Ansicht nicht he gen; voll Bewunderung 
und bis ins innerste Herz ergriffen, wtirden Sie die Ar- 
beit betrachten, welche dort f tir die Gegenwart und f tir 
das Gltick der kommenden Geschlechter geleistet wird. 
Die Freimaurerei arbeitet nach einer formvollendeten 
geistvollen Lehrmethode, wahrend die Gesellschaft f tir 
ethische Kultur ihre Geist und Gemtit erweckende Ein- 
wirkung direkt in das Leben hineintragt; zwei Wege, die 
an keinem Punkte miteinander kollidieren, vielmehr vielfach 
AnlaB zu gegenseitig befruchtenden Bertihrungen bieten. 
Treten wir an das vielgestaltige tagliche Leben heran 
mit seinen zahllosen Wechselwirkungen, den unendlich, ver- 
schiedenen Bertihrungspunkten f tir eine empfangliche Seele: 
welche reiche Ftille von Anlassen zu wahrhaft menschlicher 
Lehensthatigkeit tritt uns entgegen ! welche Glticksquelle 
das ist die Bestimmung des 
bietet diese)- Lebensniarkt denjenigen. < ie sich ein offene-. 
Auge, ein warmes, teilnehmendes Herz bewahrt haben! 
Mit diesem W orte bezeiehnet Moses Mendelssohn, Gemeinsames Streben naeh den Idealen, die unsere Brust 
Lessings begeisterter Freund, nieht nur die gewissen- birgt; ernste Mitarbeit mit denen, die uns geistig ver- 
hafteste Geistesarbeit, sondern auch die Entwicklung des wandt sind; neidlose Teilnahme an der zufriedenen 
Sehonheitssinnes aIs ein Erfordernis wahrer und wirk- Sehaffensfreudigkeit jener, we1che sieh der Erftillung 
samer Ethik. ihrer Hoffnungen erfreuen; herzvolles Mitftihlen, Mit- 
Wir dtirfen uns dessen rtihmen, daB WIr f tir unsere tragen an dem Leid der von Kummer und lOlend Gebeugten. 
ernste und schwere Aufgabe in dem Freimaurerbunde Uberall: in Freude und Leid, im ernsten Geistes- 
einen Mitarbeiter haben, dessen moralisehe und geistige 1 kampfe, wie in dem an der OberfHiehe der Mensehenseele 
Hohe uns hoffen BiGt, daG wir unser Ziel um so sieherer sieh spiegelnden leieht dahinstromenden Verkehrsleben, 
erreiehen werden, je enger wir uns an diesen ehrwtirdigen tiberall konnte Seelenadel, V ornehmheit der Gesinnung 
Bund anzusehlieGen vermogen. fUr die Hohe des Gesehleehtes Zeugnis ablegen. Dieses 
Der Fieimaurerbund wie die Gesellschaff fin' ethische reln menschliche Empfinden i-t zurtickgedrangt wurden 
Kultur verfolgen beide das Ziel, die Menschheit aus den durch das verhangnisvolle Losungswort: J eder f tir sich. 
Ketten zu befreien, welche sie sich durch ihre Schwachen Gott f tir uns alle, an dessen Stelle wir das dem wahren 
und folgenschweren Verirrungen schmiedete. - Menschentum entsprechendere 
Hand In Hand mit den Freimaurern konnen wir »Jeder f tir alle, Gott m uns selbst* 
unsere Arbeit vollbringen; sie, wie wir, wollen Gltickselig- 1 zu setzen streben sollten. 
keit, Liebe, Licht verbreiten; beide stellen sich in den Das Vertrauen darauf, daB die Menschenbrust des 
Dienst der Tugend, zur Ehre, zur Erhebung des Menschen- 1 edlen Geftihls der Nachstenliebe noch nicht entkleidet 
geschlechts. Wer wollte glauben, daB auf Seite der , ist, wird diesem Geftihle, wo es unterdrtickt, zurtickge- 
Freimaurer oder auf Seite der Gesellschaft f tir ethische schreckt, vergessen ist, neues Leben, neue Kraft, neue Glut 
Kultur die Kleinheit der Anschauung bestande, aIs suchten geben. - Nicht in den Tiefen der Selbstsucht kampfend 
sich beide das Arbeitsfeld streitig zu machen ? [ einander zu vernichten, ist der Menschen Los. - Auf 
So wie ich aIs Freimaurer und aIs Mitglied unserer den lichten Hohen der Nachstenliebe reift aIs Frucht der 
Gesellschaft in voller Harmonie mit mir bleibe, so werden Menschlichkeit: der Menschheit Gltick. 
sich auch beide Gesellschaftskorper aIs Apostel der Liebe, 1 Rudolf von Ihering bezeichnet den Verkehr ab das 
aIs Kampfer f tir Licht und Wahrheit dessen bewuBt 1 auf Egoismus beruhende System der Befriedigimg mensch- 
sein, daB sie in freudiger Gemeinschaft an Erftillung ihrer licher Bedtirfnisse. Die Gegenwart kann sich den V or- 
hohen Aufgabe arbeiten konnen. wurf nicht ersparen, dati sie diesen Begriff zu brutal 
Der Bund der Freimaurer tragt aIs charakteristisches aufgefaBt hat. Allerdings ist es der Egoismus und zu- 
Geprage die Selbstlosigkeit, die Entsagung auf auBere nachst der Trieb der Selbsterhaltung und nach ihm die 
Anerkennung: seine Thaten lassen sich nicht aufzahlen, Befriedigung der freien Bedtirfnisse, welche aIs Motoren 
nicht messen und daher wird er viel, sehr viel, ja selbst des Verkehrs, und dadurch mittelbar auch der Produktion. 
in seinen eigenen Reihen verkannt. Man glaubt ihn er- wirksam sind, 
starrt in seinen Symbolen, veraltet in seinen Anschauungen, Wie aber jede Regung im Mensehen sich zur ethischen 
und doch sind es Manner, welche die Schicksale ihrer J Reinheit entwickeln laBt, so kann auch der Egoismus zum 
Zeitgenossen teilen, mit ihnen leben und ftihlen: ist es J Schopfer einer moralischen Kraft werden, insofern durch 
da anzunehmen, daB der Bund, den sie bilden, versteinert ihn das sittliche BewuBtsein gestarkt und durch dieses 
und verknochert sei? DaB jene Manner deswegen, weil I die Grenze bestimmt wird, an der die Nachstenliebe au 


wer 


Die unumstoBlichste W ahrheit! Wer hat sie gefunden? 
ist dessen sicher, daB die Resultate der strengsten 
ernstesten Forschungen keinen TrugschluB enthalten, 
was galte uns diese Wahrheit, so ftihrt Lessing in 
W orten aus: 


und 
und 
den 


» W enn mir Gott die Wahl lieBe zwischen der Wahr- 
heit selber und dem Streben nach Wahrheit, ich 
wtirde nach letzterem greifen.« 
J eder solI tiber die ewigen Weltfragen nachdenken, 
ob er auch ahnen mag, daB keiner die Wahrheit finden 
wird: jeder strebe nach Wahrheit, doch selne Wahr- 
haftigkeit zerschellt, wenn er leichtfertig eine andere aIs 
selne dem e i g e n e n geistigen Ringen entspringende 
Weltanschauung in sich aufnimmt. 
»Nach W ahrheit forschen; 
»Schonheit lieben; 
»Gutes wolIen; 
»das Beste thun: 
Menschen.« 


162
		

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			selne Stelle tritt, von der ab die Wirkungen des Egoismus 
In dem Dienste der Gesamtheit aufgehen. 
Der Beispiele einer derartigen Verklarung des Egois- 
mus zur Nachstenliebe finden wir so manche in unserem 
Wirtsc ha ftsleben: 
IndustrieIle Etablissements, an deren Nutzen die 
Arbeiter beteiligt sind; andere, durch deien Ftirsorge 
den Arbeitern Erziehungszuschtisse ausgeworfen werden 
(Max May »10 Arbeiterbudgets«); solche, welche die 
Arbeiter zu Grundbesitzern machen; endlich so manche, 
deren Arbeiter den schlechten Geschaftsgang nicht durch 
Lohnreduktionen mit zu tragen haben. Die Summe von 
Sorgen, Gedanken und Entbehrungen, welche mancher 
Fabrikherr f tir seine Arbeiter auf sich nimmt, wird nicht 
so leicht bekannt wie die Falle, in denen das eIserne 
Gesetz der Notwendigkeit die Verktirzung der Lohne 
und schlieBlich die Arbeitseinstellung fordert. 
Eine brutale Auffassung des mit dem wachsenden 
Verkehr gleichzeitig steigenden Egoismus liegt in den 
hier vorgeftihrten Beispielen nicht, wohl aber in jenen 
zahlreichen Fallen, In denen die Grenze des Egoismus 
nicht beachtet wird, und hier rinden wir einen der be- 
deutungsvollsten Ausgangspunkte f tir unsere Bestrebungen, 
welche f tir die Gegenwart: gegentiber den Arbeit- 
g e b e r n - welche in vielen Fallen in den scheinbar 
auBerhalb des Rahmens stehenden Kreisen der groBen 
Fmanzmachte stehen - f tir die Zukunft bei der Jugend- 
erziehung einsetzen mtissen. 
Ftir die Einwirkung auf die Gegenwart empfehle 
ich der Gesellschaft f tir ethische Kultur, Abteilung Frei- 
burg, nachfolgenden BeschluB: 
Das Ei suchen an den Herausgeber der Zeitschrift 
»Ethische Kultur« zu richten, er moge in seinem 
Blatte elne Kolonne ftihren, in welcher diejenigen 
industriellen und kaufmannischen Etablissements 
i ortlaufend genannt werden, welche W ohlfahrtsein - 
richtungen f tir ihre Arbeiter getroffen haben, wobei 
Art und Umfang derselben zu bezeichnen sein wtirden. 
Unsere und die Sache unserer Gesinnungsgenossen 
wtirde es sein, das Material f tir diese einer W ohlfahrts- 
btatistik dienenden Kolonneu herbeizuschaffen und fort- 
laufend zu erganzen. Die Aufnahme dieser Arbeit wtirde 
uns allein durch ihr Bestehen unseren Zielen naher 
bringen. 


Eine besondere Berticksichtigung sollte dabei - aIs 
dem unbedingt gerechtesten - dem System der Gewinn- 
beteiligung zu teil werden. - 
Jeder individuelle Mensch tragt nach Schillers »asthe- 
tischei Erziehung des Menschen« »der Anlage und Be- 
stimmung uach elnen relnen idealischen Menschen in 
sich.« Danach haben wir es den B e d i n g u n g e n, unter 
denen sich die Erziehung vollzieht, zuzuschreiben, wenn 
, 
wir einen Teil der gegenwartig wirkenden Generation l 
aIs ideallos, dem krassen Materialismus folgend, erkennen, 
wenn WIr beklagend ftirchten, daB die unter dieser 
Ftihrung heranwachsende Jugend noch wenige]- Verstandnis 
f tir ideale Lebensaufgaben haben wird, aIs ihre Erzieher. 
Es ist fraglich, ob diese Beftirchtung zutreffen wird. 
Ftir den ersten Lebensabschnitt unserer Jugend ist aller- 


163 


dings wenig auf Begeisternugsfahigkeit III rechnen; die 
abgeschmackte! Trivialitat der Baus- und Schulerziehung 
halt jede freie Entwicklung des »reinen idealischen Men- 
schen«, von dem Schiller spricht, zurtick, unsere Jugend 
ist alt; sie ist dabei kindisch, aber das gottliche Geschenk 
der Kindlichkeit ist ihr geraubt, denn Kindlichkeit ist 
Reinheit der Empfindung, Empfindungskraft entwickelt 
das Rechtsgeftihl, dieses die Urteilsfahigkeit: das ent- 
wickelte Urteil laBt sich aber keine Satzungen aufdrangen, 
mogen sie von der Kirche, von der Schule oder von den 
Eltern kommen, und daher die Vernachlassigung dieses 
so unbequemen Empfindungsvermogens. Wie es da mit 
unserer Wahrhaftigkeit in der heiligsten aller Pflichten, 
in der Jugenderziehung, bestellt ist, das zu beantworten 
erfordert Mut und Selbsterkenntnis; in keinem Falle haben 
wir ein Recht, der Kirche che dogmatische Knechtschaft 
vorzuwerfen, so lange wir selbst, trotz unserer Erkenntnis 
der Unwtirdigkeit dogmatischer Satzungen, yon denselben 
den ausgiebigsten und gewissenlosesten Gebrauch machen. 
So sicher es ist, daB die Entschleierung der unbe- 
dingten Wahrheit, daB eine unbedingte V ollkommenheit 
dem Menschengeschlechte versagt ist, so sicher ist es auch, 
daB der Idealismus, d. i. das Streben nach einem aIs 
edel und erhaben erkannten Ziele, ein unverauBerbarer 
Teil der Menschenseele i s t; tri tt er z u r ti c k hin ter dem 
die Oberhand gewinnenden Kleinmut, so wirkt er bei 
neuem Hervorbrechen um so gewaltiger, erhebender, lau- 
ternder, und erfassen wir die Symptome der Gegenwart 
nur mit wahrem Vertrauen, mit echter Menschlichkeit, 
so konnen wir voll Freudigkeit die Wiedergeburt des 
Idealismus begrtiBen, wenn anders wir das Sehnen des 
V olkes nach Bildung, nach seelischer Vertiefung, gerecht, 
nach Pflicht und Gewissen, zu wtirdigen vermogen. 


Es geht uns im offenen Lebensverkelir sowohl WIe 
In unserer eUiischen Gesellschaft mit der Ethik so WIe 
es mit allen moralischen Gtitern geht: unendliches Gltick, 
unendliche Ode: je nach unseren Anschauungen, je nach 
der Warme oder der Kalte unserer Empfindungen, finden 
WIr elnes oder das andere; wirkt abstoBend oder er- 
warmend, lahmend oder zur That begeisternd, zum Hasse 
erniedrigend oder zur Liebe erhebend, die bewegliche 
Welle des taglichen Lebens. Nur durch Licht laBt die 
N acht sich bannen, durch Warme die Kalte sich besiegen. 
Die Liebe zum Guten laBt sich durch V orschriften und 
Liehren nicht verbreiten; viel ist sie gepredigt worden, 
doch wenige tragen 3ie im Herzen. 
Die H e r z e n mtissen wir bilden, damit SIe wtirdige 
Tempel der Wahrhaftigkeit werden, dann wird die be- 
geisterte Liebe zum Guten ihnen entstromen und aIs 
kostliche Frucht in dem Glticke unserer Neben menschen 
1 erbItihen, 


Ethische Kultur - ohne Fragezeichen. 
Von Br c. Rupprecht (Prag). 


Ich bin den lieben Brtidern FindeI und Gustav Maier 
1 Dank schuldig f tir die Beachtung, welche nio melner Ar- 
beit in No. 6 und 7 dieses Blattes geschenkt haben. Ich 
, glaube, diesem Dank nicht besser abstatten m konnen, aIs
		

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			indem ich die von den Brtidern erhobenen Einwendungen 
zu widerlegen suche. 
Wenn mir entgegengehalten wird, daB es eln Un- 
erlaBliches f tir alles »Hohe und Heilige« sein solI, durch 
Kultus und Ritus dargestelIt zu werden, so drtickt sich 
In dieser Behauptung ein Dogmatismus aus, der nur 
schwachlicher ist, aIs alle positive Dogmatik, weil er im 
Gegensatze zu dieser nicht zu sagen weiB, was denn sein 
»Hohes und Heiliges« ist. Soweit er es zu sagen ver- 
sucht, wird denn auch wirkIich entweder positive Dogmatik 
oder rein menschliche Sitteidehre daraus, vue in klarster 
Deutlichkeit aus der ganzen freimaurerischen Geschichte 
hervorgeht. 
Diese Gesehiehte zeigt uns em stetes Hingen des J 
frehnaureriseheu Gedankens nach Befreiung aus den er- J 
stickenden Banden des Dogmas, das vermittelst des Kultus 
undRdus in der Vergangenheit und Gegenwart ein Haupt, 
hindernis g e i s t i g er Ausweitung des Freimaurerbundes 
gewesen ist, und den g e i s t i g e n Fortbestand unseres 
Bundes f tir die Zukunft geradezu gefahrdet. Ich kann 
mich daftir bedingungsweise auf den Historiker Br FindeI 
berufen, welcher sein ganzes Leben dem Kampfe gegen 
v e r a l t e t e Dogmen gewidmet hat, welcher es aber tiber- 
sieht, daB auch das neueste Dogma veraltet, und daB 
auch der erhabenste Kultus und Ritus einer Glaubens- 
anschauung spateren Betrachtern vielleicht aIs »leerer 
Formeiikram und erbauliche Phrasen«- *) erscheinen, soferne 
sie vom Standpunkte des Bedtirfnisses einer Gegenwart 
und nicht etwa mit dem Auge des Antiquars angesehen 
werden. 


Darum hat auch das Dogma von der »gottlichen« 
N atur des Menschen keinen Anspruch, f tir »ewig, bleibend, 
autoritar« zu gelten. In der Darstellung des lieben Br 
FindeI hat es ohnehin alle Sttitzen verloren, von welchen 
es in den Systemen der historisch entwickelten Religionen 
getragen wird. In diesen Systemen werden der Mensch- 
heit faBliche und greifbare, materialisierte V orstellungen 
des Uiifablichen dargeboten, und es kann nicht geleugnet 
werden, daB diese V o r s t e II u n g e n elne groBe Starke 
der Religionen sind und bleiben, so lange die irdischen 
Erfordernisse der Menschheit aus tiberirdischen Motiven 
abgeleitet werden sollen. Es ist deshalb auch begreiflich, 
daB die Religionen daran festhalten, das sittliche Leben 
der Menschheit durch autoiitare V orstellungen von Ge- 
setzen, welche aus angeblich unfaBbaren Autoritatsquellen 
stammen, zu leiten, und daB sie jeden Versuch, die Sitt- 
lichkeit »menschlich« zu begrtinden, aIs Herabwtirdigung 
der hohen Himmelstochter verdammen 
Auf diesen Standpunkt hinweisend, der aus jeder 
kirchlichen Erorterung hervorgeht" und den auch Br 
FindeI vertritt (indem er zur Erklarung der Sittlichkeit 
die »gottliche« Natur des Menschen anruft), habe ich 
der Scheinbarkeit dieser Anschauung die Wahrheit 
der menschlichen Sittlichkeit gegentibergestellt. 
Es moge gestattet sein, auf die behauptete -»gottliche« 
N atur des Menschen kurz einzugehen, 


*) J. G. Finde!: Die Totengraber 
Leipzig 1892. 


des Freimaurertums. 


164 


Gottlich, d. h. Gott gleich, ist ein Wort, welchem 
nur dann ein Sinn innewohnt, wenn der Begriff Gott mit 
einem bestimmten Inhalte erftillt ist. Die Religionen 
erftillen diese V oraussetzung. In ihnen ist der Gottes- 
begriff versachlicht, vertiert oder vermenschlicht, und ihrem 
N amen nach b i n d e n die Religionen an diese Inhaltsdar- 
stellung des Gottlichen. 
So habeu wir Fetisch- und Gotzen-Religionen; poly- 
theistische und monotheistische Religionen und sie alle 
berechtigen dazu, eine »gottliche« N atur des Menschen 
anzunehmen, soferne ihr Gott aIs die V ollkommenheit, der 
Mensch ,iis ein diesem Gott Entstammendes, zur Gleich- 
heit mit ihm Bestimmtes gedacht wird. Denn hier ist 
ein realer MaBstab gegeben, an welchem ein Reale« ge- 
messen werden solI. 


Im Pantheismus, dieser Vergottung der Welt, finden 
1 WIr den Menschen aIs einen Teil der Gottheit, und der 
l pantheislischen Anschauung entspricht es auch die Sitt- 
lichkeit aIs em dem Menschen Eingeborenes anzusehen, 
I auf welches sich der Teilgott nur zu besinnen biaucht. 
j Ganz abgesehen davon, daB aber die »Gottheit« des Pan- 
I theismus um noch ein N ame und im Wesen schon der 
reine Materialismus ist, so entsteht ja die Frage, warum 
denn die Gottmenschen sich so gar nicht auf ihre JSatur 
besinnen konnen, warum wir sie III; bO schrotiem Gesin- 
nimgs- und Handelus-Gegensatz zu dem Wesen ihrer 
»gottlichen« Natur sehen? Es bleibt die Fiage bestehen, 
warum denn so einleuchtende »gottliche« Lehren, wie sie 
beispielsweise im Dekalog, und in der Bergpredigt J esu 
gegeben sind so unzahlbar ott unbefolgt bleiben, vsaruui 
die Sittengesetze, welche Br FindeI »von jeher im Men- 
schen selbst gelegen« sein laBt, so geringen Gehorsam 
linden, warum alle religiose Moral - der Beitel nach -- 
nur d e n Eifolg hat, welchen weltliche, d. h. meiisch- 
J liehe Macht ihr zu geben vermag?! 
I Ergiebt sich nicht daraus von selbst che Antwort, 
I daB es nicht der innere Trieb ist, sondern die auBere 
Erfahrung, welche zur Anpassung und Angewohnung 
ftihrt, aus welcher die menschliche Gesinnung sich bildet? 
Und erklait sich daraus nicht auch ungezwungen das so 
unlogisch scheinende Streben der Religionen nach welt- 
licher Macht, da doch der Stiftet- der christlichen Religion 
erkI art hat: mein Reich ist nicht von dieser Welt? 
Fredich, Br FindeI IDIllI mich an einem entscheidenden 
Punkte miBverstehen. Ich spreche mehrfach davon, daB 
die Streitfrage ist, ob man unter Sittlichkeit: 
das sittliche Verhalten der Menschen untereinander, 
oder auch das der Menschen zu etwas A u B er- 
m e n s c h l i c h e m verstehe. 
Br F. glaubt, mir entgegnen zu sollen, daB 
»der Mensch u. a. auch Natur-Bedingungen unter- 
worfen ist, und daB die Welt (die Natur) doch 
zweifelsohne etwas »AuBermenschliches« ist.«. 
Nuu, ich bin der Meinung, daB diese Einwendung gerade 
nur gut genug dazu war, nm die vorerwahnten dogma- 
lischen Anschauungen daran zu hangen, Denn daB der 
Mensch auch N aturbedingungen unterworfen ist. braucht 
doch nicht, und namentlich nicht vor den denkenden 
Lesern der »Bauhtitte«., erst ausdrticklich anerkannt zu
		

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			werden, denn es versteht sich ja von selbst; so WIe es 
sich von selbst versteht, daB die Befahigung, sittlich zu 
sein, gerade so wie die Deukbefahigung, welche wir Iro 
Menschen sich entwickeln sehen, aIs vorhanden angenom- 
men werden mtissen; aber doch nur so, wie in jedem * 
Marmorblocke die fertige Statue steckt, so daB der Bild- 
hauer nur die tiberlltissigen Stticke wegzuhauen braucht. 
Meine Ausftihrungen haben aber mit Br Findeis J 
Einwendungen gar nichts zu thun; denn ich versuche 
nicht, wie in diesen Einwendungen behauptet wird, eine 
Weltanschauung zu vertreten; ich lasoe jede metaphy- 
sische Behauptung bei Seite, und verbuche nur es begreif- 
lich zu machen, daB 
der Mensch sittlich sein kann, darum sittlich sein 
bolI, ja sittlich sein muB, weil Sittlichkeit nichts 
ist, was dem Menschen von auBen her (was doch 
nur bedeuten kann: von auBer der Welt her) zu- 
gebracht ist, sondern em Produkt der menschlichen 
Entwicklung, und daB SIe angezwungen aus 
den menschlichen Bedtirfnissen erkIart 
werden kann. 
Ich kann es nicht aIs einen Gegensatz empfinden, 
wenn Br FindeI sagt, »daB ein sittlicher Charakter nur 
durch stete innere (freimain erische) Arbeit, durch Selbst- 
bestimmung und Selbstverleugnung, durch Verzicht und 
Opfer errungen werden kann«. Denn mit alI dieser Ar- 
beit paBt sich eben der Mensch den Bedtirfnissen der 
Menschheit an, und Br Fmdel widerspricht also nicht dem 
Satze, sondern er streitet gegen die Methode, nach wel- 
cher ich, wie er annimmt, die Arbeit am Menschen ge- 
lehrt und vom Menschen getibt wissen will. 


Es kommen mm drei Hauptmethoden In Frage: 
Die religiose, 
Die freimaurerische, 
Die ethische (das Wort in seiner modernsten Fassung 
verstanden). 
Die beiden ersten machen die Unterstellung, daB der 
Mensch nicht aus sich selbst heraus sittlich werden und 
sein konne, sondern daB er dazu einer »hoheren«, wie 
Br FindeI sagt, »gar nicht erklarbaren« Anleitung 
bedtirfe. *) 
Man muB nicht Mateiialist seln, um diese Unter- 
stellung anzuzweifeln. Denn alle Geschichte lehrt, daB 
die »hohere« Anleitung meist nur durch recht erklarbare 
niedere Antriebe wirksam gewesen ist, und daB die Fort- 
schritte im Leben der Menschheit nicht aus der Besin- 
nung auf ihre »gottliche« Natur, sondern aus der wach- 
senden Einsicht in ihre menschlichen Bedtirfnisse ent- 
stehen. Menschliche Handlungen, welche wir heute un- 
sittlich nennen, kounen frtiher elne entgegengesetzte 
Schatzung erfahren haben, oder spater eine solche erfahren, 
und umgekehrt. J a, wir selbst schatzen sie in der gleichen 
Zeit verschieden, geben auch wohl den gleichen Hand- 
lungen verschiedene N amen, So sind die von Br FindeI 


*) Ich spreche hier nattirlich nur von der dogmatischen 
Freimauiciei in ihrer historischen Ausgestaltung. Denn der Frei- 
maurerei, vie sie nach der Meinung ihrer Grunder sein sollte, ist 
diese Unterstellung fjanz fremd. 


165 


l angeftihrten: Diebstahl, Mord, Betrug nicht an sich und 
imbedingt verwerflich; wir erkennen sie vielmehr oftmals 
aIs sittliche Krafte ano Die Eroberung »wilder« Lander, 
zum Zwecke ihrer Civilisation, gilt aIs sittlich. Die Judith, 
die Charlotte Corday sind sittliche Typen. Jako b ist der 
Stammvater des auserwahlten Volkes Gottes geworden. 
Die menschlichen Handlungen, aus der gleichen 
»gottlichen« Natur flieBend, werden eben in Bezug auf 
ihre Schatzung nach der,-Gesinnung des Handelnden, und 
beztiglich ihrer Zulassigkeit nach der von ihnen zu er- 
wartenden Wirkung auf die Bedtirfnisse der die Schatzung 
vollziehenden Menschheit beurteilt. Gerade an den ele- 
mentaren Affekten, deren U mbildung nach sittlichen Mo- 
tiven und Wirkungen das Menschliche am Menschen macht, 
an der z u e r s t dem Hunger entstammenden Begierde 
nach Erwerb, an der dem Zorne entstammenden Mord- 
sucht, an der zugleich aus Begierde und Feigheit erwach- 
senden Betrtigerei erweist es sich: nicht ein »gottlicher 
Urtrieb«, sondern das durch Abwagen von V or- und N ach- 
teilen dius Handelns sich bildende Urteil bestimmt den 
Menschen und sein Thun. Ftir den ausftihrlicheren Nach- 
weis, wie sich dieses Urteil festigt und nach und nach 
zu anscheinend aphoristischer Begabung ausbildet, verweise 
ich auf die treflliche Arbeit des Br Dr. Spindler (Prag): 


Was isi und woher kommt das Gewissen? 
welche In der Bauhtitte, Jahrg. 1891 No. 23 und 24 
abgedruckt ist. 
Bei solchen Thalsachen, die jeder kontrollieren kann, 
I ist es schwer begreiflich, wie der »gottliche U rtrieb: Du 
sollst« erwiesen werden solI - es ware denn, daB die 
bestmogliche Befriedigung der menschlichen Bedtirfnisse 
aus »gottlichem Urtriebe« erfolgend gedacht wird. Das 
ware aber ein Spiel mit W orten, welches das Verstandnis 
der Sache nicht fordert. 
Ich kann auch die weiteren Bemerkungen Br Findels 
nicht beweiskraftig finden. Sie sind reine Theologie und 
spitzen sich ganz fanatisch dahin zu, daB nur der, welcher 
diese Theologie anerkennt, eln freier Mann von gutem 
Rufe sein kann. 
DaB mir aus allen hier erwahnten Grtinden die dritte 
Methode, die modern-ethische, aIs die geeignetere erscheint, 
i das Problem, die Menschheit sittlich zu machen, zu losen 
habe ich in meiner Arbeit: »Die deutsche Gesellschaft 
f tir ethische Kultur und die Freimaurerei *, zu begrtinden 
versucht, nicht durch Annahme eines Gegensatzes zwischen 
Freimaurerei und Ethik. 
Ich weite mich mit Br FindeI einig in der Uberzeugung; 
daB die freimaurerische Idee der Humanitat die hochste 
ist, welche deL* Mensch zu erkennen vermag, und ich habe 
mit N achdruck hervorgeho ben, date auch die neue Gesell- 
schaft keine andere .kennt. Aber es ist ein Unterschied 
zwischen der Freimaurerei aIs Idee und dem zu ihrer 
Verwirklichung geschaffenen Freimaurerbunde. Wie viel 
tausendfache Klage, begrtindete Klage tiber Entfernung 
des Bundes von der Idee erhoben wird - die Bauhtitte 
I beweist es in allen ihren Spalten. Ich habe deshalb die 
J Meinung geauBert, es werde eine W echsel wirkung zwischen 
der alten und der neuen Gesellschaft entstehen, es werde 
1 der Freiinaiirerbimd sieh der Anschauung der ethischen
		

/p0006.djvu

			Gesellschaft in Bezug auf die ganz menschliche Sittlich- 
kei t erschlieBen. 
Gerade die SchluBfolgerung des lieben Br Pindel 
zeigt die Notwendigkeit, das freimaurerische Programm 
aus der gewiB nicht mehr zulassigen Einhtillung in reli- 
gios-dogmatische Formeln zu befreien, und der geliebte 
Br Gustav Maier hatte schon aus dieser SchluBfolgerung 
des Br FindeI ersehen konnen, daB es doch nicht bloB 
s c h e i n b a r e V erschiedenhei ten der Auffassung sind, welche 
zwischen Br FindeI und mir bestehen. Und wenn ich 
auch von ganzem Herzen zugestehe, daB ich gewiB kein 
besseres Ziel wollen kann, aIs das, welchem Br FindeI 
zustrebt, so kann ich doch die Frage nach dem Wege, 
auf welchem dem Ziele entgegengegangen werden solI, 
nicht so gleichgtiltig finden, wie sie dem lieben Br Maier 
erscheint. Diese Gleichgtiltigkeit hat, wie ich glaube, den 
ganzen Wirrwarr von Systemen, rituellen und prinzipiellen 
Verschiedenheiten in der Freimaurerei erzeugt, und es ist 
die stehende Antwort auf jeden V orhalt m dieser Richtung: 
daB alle Wege in den Himmel ftihren. 
Was wtirde von einem StraBenbauer gehalten werden, 
welcher zwei Punkte, die durch eine gerade Linie ver- 
bunden werden konnen, mittelst einer m weitem Bogen 
ftihrenden StraBe vereinigen wolIte? 
Nun handelt es sich aber doch, ebenso f tir die Frei- 
maurereI, wie f tir die »ethische Kultur« um die Ver- 
edel ung der Menschen und ihre B e gl tickung a u f E r d e n , 
und wenn dieses Ziel mit den einfachen MitteIn m e n s c h- 
l i c h e]' Arbeit erreicht werden kann (wie die Vertreter 
der modernen Ethik annehmen), so kann es nicht gleich- 
gtiltig sein, daB diese Mittel von den religio sen Dogma- 
tikern aIs »materialistisch« schlechtweg verworfen werden. 
Ich weiB die Gesinnung des lieben Br Maier wohl 
zu schatzen, und gebe es ohne weiteres zu, daB ihm und 
allen, die gleichwertig sind, die Wahl des Weges zu dem 
gemeinsamen Ziele freigestellt werden kann, darum eben, 
weil er den ktirzesten We g wahlen wird, gewahlt hat, d. h. 
weil er den Menschen schatzt, soweit derselbe der Mensch- 
heit ohne jede unmenschliche oder tibermenschliche Rtick- 
sicht in selbstloser Hingebung dient. Ich stimme dem 
Br Maier auch vollig zu, daB der Freimaurerei der 
Vergangenheit ein groBes Verdienst um H ti tung und 
Schtirung des heiligen Feuers der Humanitat gebtihrt. Ich 
bin ganz seiner Meinung, daB der Freimaurerbund, wenn 
er neben seiner, von mir gentigend hervorgehobenen und 
gewtirdigten, festen Organisation auch elnen klaren 
Inhalt hatte, jede weitere ethische Bestrebung tiberlltissig 
machen wtirde. 


Br Maier wird aber das Fehlen dieses klaren Inhaltes 
zugeben mtissen und mir die Folgerung gestatten, daB 
das Ritual trotz seiner »bisher unerreichten Hohe und Ge- 
dankentiefe« nicht zweckdienlich sein kann. Es mtiBte 
. 
doch sonst wahrlich in nahezu zwei J ahrhunderten mehr 1 
erreicht worden seln, aIs das, was Br Maier selbst aus 
den »W erken« de.s Br Holtschmidt mitzuteilen wuBte, 
und was ich aus dem BriefWechsel eiuer groBen Loge 
mitzuteilen mich gedrungen geftihlt habe. 
Ich bin nun, auch in der Vergleidrang zwischen frei- 
maurerischer und »ethischer« Bewegung, zu dem Schltisse 


166 


gelangt, daB, nach ihren negativen Ergebnissen zu folgern, 
- die erstere nicht mit den richtigen Mitfein arbeitet, 
weil die 
»Uberwindung der Subjektivitat durch die Objektivitat, 
des Egoismus durch die Liebe zur AIIgemeinheit«, 
WIe Br Mai er den Inhalt aller wahren Ethik so treffend 
ausdrtickt, nicht aIs ein vom Menschen zu For- 
d e r n d e m angesehen wird, sondern aIs ein Ideal, dem 
der Mensch ausnalimswe'se, durch ganz besondere Gnaden- 
gabe von oben, naher gebracht werden kann, ohne es 
doch je zu erreichen. 
Dagegen steht die moderne ethische Bewegung auf 
dem umgekehiten Standpunkte, indem sie daftirhalt, daB 
die Sittlichkeit vom Menschen gefordert 
w e r d e n k a n n und daB es nicht mehr gentigen solI: 
das Gute gewollt zu haben, daB ktinftig das Gute gethan 
werden muB. Nicht gottgleich aber menschenwtirdig - 
das ist die ktirzeste und, wie ich glaube, demtitigste Fas- 
sung des Problems ktinftiger sittlicher Wirksamkeit, heiBe 
SIe nun Freimaurerei oder ethische Gesellschaft. - 
In dieser Beleuchtung eischeint denn wohl auch dem 
lieben Br Maier die Frage, ob die Sittlichkeit »mensch- 
lich < oder »gottlich« ist, nicht mehr aIs ein Streit um 
W orte. Es handelt sich wedei um Materialismus noch 
um Idealismus, weder um Religiositat noch um Unglauben. 
Es handelt sich um die Schaffung einer festen Grundlage, 
von welcher aus ethisches Leben alI er Menschen (nicht 
bloB einzelner Auserwahlter), erreicht werden kann. 
Alle kulturgeschichtlichen Beispiele, welche Br Maier 
anftihrt, beweisen, was ich behauptet habe, daB die Sitten- 
gesetze ans der menschlichen Entwicklung hervorgehen; 
sie beweisen die Veranderlichkeit der sittlichen Urteile, 
sie beweisen, daB nicht ein Vergessen der »gottlichen« 
N atur« im Menschen zu tiberwinden, sondern eln Auf- 
sfeigen aus tierischen zu menschlichen Gesinnungen her- 
beizuftihren ist. 


1st diese Entwicklung seither verzogert worden 
durch den der Menschheit aufgedrungenen Zweifel an 
ihrer Kmft, so solI sie fernerhin rascher \or sich gehen 
und dereinst zum Ziele ftihren durch das auf Einsicht 
gegrtindete Vertrauen zu sich selbst, welches die wahre 
Freimaurerei, wie die »ethische Kultur« ihr beibringen will. 
Beide sehen vollig ab von allen Glaubeiismeiiiuugen, 
seien sie nun theologische oder philosophische. Darum 
solI aber auch weder das freimaurerische noch das »ethische« 
Streben geprtift und verurteilt werden durch und nach 
Frwagungen, ob es materialistisch oder idealistisch ist, 
sondern lediglich nach der Fruchtbarkeit welche es hat 
I f tir die 


- Fordeiung der Bedtirfnisse der Menschheit. - 


Vom Grosslogentag 


1 erhalten wIr folgende Mitteilungen, die wir In Erwartung 
l eines ausftihrlicheren Berichts einstweilen, mit eluIJren 
bescheidenen Anmerkungen verseheu, zur Kenntnis unserer 
J Leser bringen: 
1 N ach Eroffnung der Versammlung durch Br Erdmann 
, wird zu
		

/p0007.djvu

			167 


1. der Tagesordnung: Die Rechnungslegung ge- 
nehmigt. 
2. Untersttitzungen aus derVictoriastiftung. Von 
83 eingegangenen Antragen werden auf V orschlag 
des Ausschusses 51 genehmigt (2 U nabhangige Logen, 
1 Darmstadt, 3 Bayreuth, 4 Frankfurt, 4- Sachsen, 
7 1 loyal York, 10 Landesloge, 20 Weltkugeln). Br 
Gerhardt richtet au die Grosslogen die Bitte, die 
Antrage eingehender zu begrtinden, und sich nicht, 
wie es teilweise bisher geschehen, mit der einfachen 
N ennung der Bedtirftigen ohne Angabe von That- 
sachen zu begntigen. 
Beztiglich des Schwesternhauses sind fast nur aus 
den ostlichen Teilen von Deutschland Bereitwilhgkeits- 
erUarungen eingegangen. Der Ausschuss enipiiehlt 
die Grtindung eines solchen in Dahme (halbwegs 
zwischen Dresden und Berlin). Hierftir sei ein 
Kapital von etwa M. 50,000 erforderlich, wahrend 
die jahrlichen Kosten sich auf etwa M. 6000 be- 
laufen. Die Loge in Dahme »Licht, Liebe, Leben«, 
(Wehkugeln) tibernehme die Leitung. V oihanden 
sei ein schoner Bark, das Haus, itii 15 Schwestern 
ausreichend, sei erst zu erbauen. Die Eroffnung 
konne voraussichtlich 1m J ahre 1895 eriolgen. -- 
Der GroBlogentag beschlieBt dementsprechend 
3. I n den g e s c h a f t s f ti h r e n d e n A u s s c h u B der 
Victoriastiftung werden die Brr Brandt und Gotting 
gewahlt. 
4. Feststellung der Bel\chlti->se tiber den N a c h t r a g 
zum Statut des GroB10genbundes Der 
N a c h t r a g wiul a b g e l e h n t. (Das Stimmern er- 
haitnus war vorher bekannt Der N achtrag scheint 
ohne Sang und Klang begraben worden zu sein.) 
5. Der vom letzten GroBlogentag gefaBte BeschluB 
bez. des Anschlusses der in auBerdeutschen Landern 


wohnenden Brtider an andere nicht unter deutschen j 
GroBlogen stehende Logen ist von samtlichen 
GroBlogen angenommen worden. 
6. S t e II u n g n a h m e de,-, d e u t s c h e n G r o B log e n - 
bu ndes gegentiber dem Vorgehen des Brs S ettegast. 
Hierzu beantragt Br Gerhardt: »DaB die Sette- 
gastschen Logen anBerhalb des maure- 
r i s c he u B e c ht s s t e h e n u n d e i n Ve r K eh r 
nicht stattfinden darf«, wogegen von den 
e Kle K 11 s c h e n Delegierten der Antrag gestelit 
w ird : »D aB d e r G r o B log e n t a g es n i c h t f ti r 
angezeigt erachte, vorerst dem Vor- 
gehen Se11egastb gegentiber Stel lu n g zu 
ii cli men«. Nach Ablehnung des letzteren An- 
trags wird uach langer Debatte der A ti t r a 0- 
G c r li a r d t gegen die Stimmen von H a m b u r g, 
Bayreuth und Frank tu rt angenommen. (Diesen 
BeschluB nach Verdienst zu wtirdigen, wird uns erst 
moglich seln, wenn uns der Inhalt der »langen 
Debatte«, bekannt geworden sein wird. Inzwischen 
wollen wir nur bemerken, daB unseres Ermessens 
der Vntrag Gerhardt hatte vorher den GroBlogen I 
mitgeteilt werden mtissen. Da da< nicht geschehen 
ist - wieweit Gesetzlichkeit und Verbindlichkeit 


des gefaBten Beschlusses hierdurch in Frage gestelIt 
werden, solI vorerst unerortert bleiben -, scheint 
es uns doch sehr zweifelhaft, ob die Delegierten von 
Sachsen und Darmstadt im Sinne des Antrags 
Gerhardt bezw. der Berliner GroBlogen instruiert 
waren.) 
7. Die Einftigung einer Abteilung »Streichung« in die 
s t a t i s t i s c h e -O b e r s i c h t wird b e s c h los s e n . 
8. Der Antrag auf Andeiung des Tagungs- 
T e r m i n s des G r o B log e n t a g e s wird z u r ti c k - 
g ez o g en. 
iL Samtliche Antrage auf Anerkennung auBerdeutscher 
GroBlogen werden teils vertagt, teils zurtickgezogen. 
(Wie ist es mit der GroBloge N o r we g e n ?) 
10. Beztiglich der maurerischen Vagabundage wird von 
Darmstadt ein Antrag f tir den nachsten GroBlogen- 
tag angektindigt. 
Br Erdmann rtigt, daB der »Berliner Herold« fort- 
gesetzt unter Kreuzband versandt werde, und meint, es 
mtisse sich ein We g finden lassen, dem betreffenden 
Bruder klar zu machen, daB ein derartiges Unternehmen 
sich nicht passe Br G e r h a r d t bedauert, daB er nicht 
die AJacht habe, dem -obelstande abzuhelfen. (! c f. Vor- 
gehen gegen Settegast.) 


AIs p o s i t i v e ( » e t h i s c h e « ) L e i s t u n g e n des 
d i e s j a h r i g e n G r o B log e n t a g e s sind demnach zu 
verzeichnen (abgesehen von den kontinuierlichen Leistungen 
der Victoriastiftung): 
1. In die Slatistik wird eine Rubrik »Streichung« 
eingeftihrt, 
2. -Ober d i e S et t e g a s t s c h e n L o g e n ist die in a u - 
re r i s c h e R e i c h s a c h t verhangt worden. 
Pfingsten in der deutschen Freimaurerei! 


(J) 
Logen berichte und Vermischtes. 


Frankfurt a. m. Am 22. April 1893 hat die Loge 
»zum F ra u K fu r t e r A d 1 e r« dem bisherigen Mstr. v. 
St., Bruder Ernst Rosenberg, welcher den L. Hammer 
15 J ahre hindurch gefiihrt hatte, einen besonderen Ehren- 
tag bereitet. Der neugewahlte Ałstr v. St., Br Lowenhaar, 
uberreichte namlich, nach einstimmigem Beschlusse der 
Bruderschaft, dem gefeierten Alt- Mstr die goldene Ehren- 
schurze mit der Aufschrift: »Die Loge zum Frankfurter 
Adler ihrem Sehr Ehrwurdigen Mstr Br Ernst Rosenberg 
in dankbarer Verehrung.« Ebenso fibergab ei ihm einen 
silbernen Ehrenhammer mit gleicher Inschrift, Bei der 
auBerst zahlreich besuchten Festtafel wurde, nach einem 
Trinkspruch des Ehrenmeisters. Br Creizenaeh, das mit 
Blumen reich geschmuckte Bildnis des Brs Rosenberg 
enthullt, welches fortan eine Zierde der Loge bilden wird. 
Wir freuen uns mit dem also Geehrten und wunschen 
ihm von Herzen, daB er die Ebrenabzeieheii noch recht 
lange in altbewahrter Kralt und Rustigkeit tragen moge. 


Frankfurt a. W. Am 15. Mai feierte Br Philipp Reichard. 
Mitglied der Loge »Zur EinigkeiU, sein 25 jahriges 
MaurerjubiJaum. Jm Tempel wurde, nach einer wurmen 
Ansprache des Mstrs v. St., der in weiten Kreisen bekannte 
und beliebte Bruder mit der Ehrensehurze geschmuckt. 
Bei dem Brudermahle uberreichte ihm der Vorsitzende 
eins', von den Brudern gestiftete, goldene Taschenuhr,
		

/p0008.djvu

			welche neben dem Logenl\eichen der alten Einigkeit auch 
den Namenszug des Jubilars tragt. Dieser, sichtlich tief 
ergriffen, dankte in herzlichen W orten. Heitere Tisch- 
lieder, auf den Jubilar -von Brtidern seIner Loge ge- 
dichtet, lieBen bald die frohlichste Stimmung aufkommen, 
von der man sich bekanntlich ja so ungern trennt. So 
wars denn auch recht »frtih«, aIs man sich mit dem Be- 
wuBtsein trennte, einem geliebten Bruder die »Anhanglich- 
keit« bewiesen und ein recht frohes Pest gefeiert zu haben. 


Augsburg. Br Karl Marker t- Soeben geht uns die 
schmerzliche Kunde zu, daB unser geschatzter Mitarbeiter, 
Br Karl Marker, am 18. d. Mts. vormittags, sanft in den 
e. O. hintibergegangen ist. Damit ist ein echtes Maurer- 
leben f tir diese Erde zu Ende gegangen. Um den Ent- 
schlafenen, der die K. K. stets mit -vollem Ernste getibt 
hat, trauert seine Loge »Friedrich zur ernsten Arbeit« in 
Jena, um ihn trauern die Armen seiner Vaterstadt, vor 
allem die armen Kinder , denen er stets ein warmes Vater- 
herz entgegen gebracht und f tir deren W ohl er durch 
mancherlei Veranstaltungen liebevollst gesorgt hat. Alle, 
denen er im Leben nahergestanden, mit den en er in Be- 
rtihrung gekommen ist, werden sein gesegnetes Andenken 
treu bewahren. 


Ans vergangenen Tagen, Der letzte Grotiherzog von 
Toscana aus dem Hause Medici, Giovanni Gaston, war 
den Freunden des Lichtes nicht wohlgesinnt und erlieB - 
beeinfluBt von fanatischen Diestern - im Jahre 1737 
eIn sti enges Verbot gegen die Freimaurerei in seinem 
Lande; aber schon wenige W ochen nach diesem ErlaB 
starb der GroBherzog, and die Brtider setzten ihre Ar- 
beiten fort. Die Priesterschaft brachte nun die Absicht 
des verstorbenen Ftirsten zur Kenntnis des Papstes und 
ftihrte Beschwerde gegen die gefahrlichen Maurer. Dieser 
versprach Abhtilfe und hielt getreulich W o i t: er sandte - 
mit weitgehender Vollmacht - einen priesterlichen Unter- 
suchungsrichter nach dem schonen Florenz, und dieser 
sttirzte sich mit blindem Eifei und gltihendem HaB auf 
seine Opfer. Eine Menge Personen, gleichviel ob bie das 
Kleid des Ordens getragen oder nur mit Maurern in 
Verbindung standen, wurden verhaftet und in den Kerker 
geworfen, wro sie die von ihrem P einiger auferlegten 
Qualen erlitten, bis ihnen In Franz Stephan von 
L o t h r i n g e n, dem N achfolger Gastons, ein Retter er- 
stand. Dieser aufgeklarte, hochherzige Ftirst gab nicht 
nur den Gefangenen die Freiheit wieder, sondern er- 
klarte sich auch zum Schutzherrn der Freimaurerei und 
untersttitzte die Brtider bei Grtindung neuer Logen mit 
bedeutenden MitteIn. 


Schlea. Logenhl. 


Litterarische Besprechungen. 


FindeI, J. G., Schriften tiber Freimaurerei, III. Band 
die Geschichte der Freimaurerei. Subskriptionspreis 
M. 4, Einzelpreis M. 5 
Der hochinteressante [II, Band, auf den man mit Recht 
sehr gespannt sein durfte, liegt vor uns. Br Finde], der arbeits- 
freudige Bruder, hat seinen alten Ruf auch hier wieder be- 
wahrt. In dem knappen Rahmen von 304 Seiten welches reich- 
haltige Material i Die Geschic tite der Freimaurerei ist bis zur 
Gegenwart fortgeftihrt, in den Kapiteln: die Z unft s a g e, 
die d e u t s c h e n S t e i n m e t z e n , die B a u g e n o s s e n - 
s c h a f t e n E n g l a n d s, die e r s t e n K e i m e d e s a lI- 
g e m e i n e n M e n s c h h e i t s b u n d e s voi bereitend entwickelt, 
tritt nun der ganze Verlauf von der Entstehung und Aus- 
breitung des Bundes uns entgegen. Die Reforrribestrebungen 
erhalten ihre Wtirdigung, die Neuzeit wird, wo sie unrichtige 
Bahnen zu betreten sucht, an der Hand der Entwicklung, auf 
richtigere hingewiesen; alles knapp, aber vollstandig eisehopfemd 
und tibersichtlich und jedes Urteil, selbst das scharfste, ohne 


168 


verletzende Scharfe: das sind die V orzuge, die wir dieser 
neuesten Lieferung nachrtihmen dtirfen. "Wir mochten auch 
bei dieser Gelegenheit unsere, frtihere schon ausgesprochene, 
Meinung dahin abgeben: jeder Bruder, einerlei welcher GroB- 
loge er angehort, sollte Br Findeis Schriften seiner Bibliothek 
einverleiben, er wird gar bald die heilsamen Fruchte davon 
empfinden. 


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m e n t s b e t r ii g e werden wir uns erlauben dm eh Postauftrag 
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Die Expedition der Bauhlitte: 
Mahlau 8s "Waldsehmidt, gr. Gallusstr. 3. 


Oini ii 11 ;Dsnreg. 
Fiir Br Croneraeyers Werk, f tir welches wir gern 
dite Sainmlniig noc h fortsetzen mochten, sind ferner 
eIngegangen: 
Von Br Cr. M. (E.) M. 25.-. Verein Harmonie iu Prag tl. 25 (Ost.). 
Die Bedaktion. 


Ftir die Redabtion verantwortlich: Piof. Dr. O. Gotthold. - Verlag der Aktien - Gesellschaf t "Bauhtitte*. 
Druck von Mahlau & Waldschmidt (Br B, Mahlau), samtlich in Frankfurt a. M.